Psychosomatik

Das Buch vom Es

13 - 15

13.

Sie braucht eine Hilfe, ein Band gewissermaßen, das die Maske festhält, und diese Hilfe findet sie in der Erkrankung, zunächst im Kreuzschmerz. Das Vor- und Zurückbewegen des Kreuzes ist die Beischlafstätigkeit des Weibes: der Kreuzschmerz verbietet diese Bewegung, er verstärkt das Verbot der Brunst.

Ich will Ihnen nur begreiflich machen, was Ihnen so oft unbegreiflich schien, warum ich immer wieder bei meinen Kranken nach dem Zweck ihrer Erkrankung frage.

Die Kreuzschmerzen bei der Periode erleichtern der Frau den Widerstand gegen ihre

Begierde, so behaupte ich.

..daß in diesem Wort Kreuz das Mysterium der Christenheit steckt, daß dieses Os sacrum, dieser heilige Knochen, in sich das Problem der Mutter birgt.

..denn Übelkeit, Erbrechen, das Gefühl des Schädelplatzens sind Geburtssinnbilder in Krankheitsform.

Je schwerer der innere Konflikt der Menschen ist, um so schwerer sind die Erkrankungen die ja symbolisch den Konflikt darstellen, und umgekehrt.

Denn nur der stirbt, der sterben will, dem das Leben unerträglich wurde.

Die Erkrankung hat einen Zweck, sie soll den Konflikt lösen, verdrängen oder das Verdrängte am Bewußtwerden verhindern;

Schwindsucht: Absatz S. 119

14. der Ödipuskomplex

in dieser Sage sich ein tiefes Geheimnis des Menschseins halb enthüllt

Der Widerstand des Kranken gegen den Arzt ist das Objekt jeder Behandlung.

Das Es wünscht durchaus nicht von vornherein gesund zu werden.

..das Bestehen der Krankheit beweist, trotz aller Versicherungen, Klagen und Anstrengungen des bewußten Menschen, daß dieser Mensch krank sein will.

Jede Erkrankung ist eine Wiederholung der Säuglingssituation, entspringt der Sehnsucht nach der Mutter, jeder Kranke ist ein Kind, jeder Mensch, der sich des Kranken annimmt, wird zur Mutter.

Wenn jemand krank wird, ist es wahrscheinlich, dass er irgendwie in nächster zeitlicher Nähe des Krankheitsbeginnes überaus stark an die Mutterimago erinnert wurde,..

...der Beginn der Erkrankung –die ersten Symptome sind immer beachtenswert, sie verraten viel von den Absichten des Es

Die Idee, unbequeme Menschen zu töten, begleitet uns alle durch unser ganzes Leben, und unter ungünstigen Verhältnissen wird Wunsch und Abscheu zu töten so stark, dass das Es sich entschließt, das Mordwerkzeug des Menschen, den rechten Arm lahmzulegen.

...dass wir alle uns göttlichen Ursprung anmaßen, dass uns der Vater wirklich Gottvater ist und die Mutter eine Gottesmutter.

Religionen sind Schöpfungen des Es. Schauen Sie auf das Kreuz mit seinen ausgebreiteten Armen und Sie werden mir beipflichten. Der Gottessohn hängt und stirbt daran. Das Kreuz ist die Mutter, und an unserer Mutter sterben wir alle. Ödipus,Ödipus.

Homosexualität ... unter den verschiedenen Gründen, die zur Gleichgeschlechtlichkeit führen, einer nie außer acht gelassen werden darf, das ist die Verdrängung des Mutterinzests.

...weil man Hans mit Johannes dem Täufer zusammenbringt, der deutlich genug in Taufe und Hinrichtung als männliches Glied gekennzeichnet ist?

Das Volk sagt, wer seine Mutter nackt sieht, wird blind. Und Ödipus sticht sich die Augen aus.

15.

..geben Sie in unserem Zwiegespräch die Unterscheidung zwischen „psychisch“ und „organisch“ auf.

.. dass für das Es ein Unterschied zwischen organisch und psychisch nicht besteht und dass infolgedessen, wenn man das Es überhaupt durch die Analyse beeinflussen kann, auch organische Krankheiten psychoanalytisch behandelt werden können und unter Umständen müssen.

Wenn ich die Worte Körper und Seele gebrauche, verstehe ich darunter Erscheinungsformen des Es,

Die Treppe ist ein Geschlechtssymbol, und es gibt zahllose Menschen, die von dem Gedanken des Fallens auf der Treppe verfolgt werden.

Nehmen Sie ein Auge.

...wenn ich durchaus nicht sehen soll, werde ich kurzsichtig, verlängere meine Achse, und wenn das nicht ausreicht, lasse ich Blut in die Netzhaut treten und werde blind? Wir wissen so wenig vom Auge.

Übertragung

Übertragung und Widerstand, das sind die Angriffspunkte der Behandlung.

..als Hauptarbeit der Behandlung das Beseitigen und Überwinden des Widerstandes.

..das Wesentliche dabei ist, dass man bei sich selber beginnt, dass man erst einmal in seine eigenen Winkel und Ecken, Keller- und Speiseräume hineinguckt, Mut zu sich selber, zu seiner eigenen Schlechtigkeit oder, wie ich lieber sagen würde, Menschlichkeit findet.

Das erste Erfordernis ist also wohl Ehrlichkeit, Ehrlichkeit gegen sich selbst. Bei sich selbst lernt man am besten die Widerständen kennen. Und sich selbst lernt man am gründlichsten kennen, wenn man andere analysiert.

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