Psychosomatik

Das Buch vom Es

19 - 21

19.

Es gibt Leute, die sprechen vom Tier im Menschen, und unter Menschsein verstehen sie, was sie edel nennen was aber bei näherem Zusehen recht unedel wird, den Verstand zum Beispiel oder die Kunst oder die Religion, kurz, alles, was sie auf irgendwelche Gründe hin in das Gehirn oder Herz verlegen, oberhalb des Zwerchfells, und tierisch nennen sie alles, was im Bauch vor sich geht, vor allem was zwischen den Beinen ist, Geschlechtsteil und After.

..daß Pupille Kindchen bedeutet, dass also das Auge Symbol des Weibes ist, weil man sich im Auge klein widergespiegelt sieht?

Das kleine Mädchen spielt mit der Puppe, der Knabe braucht es nicht, er trägt sein Püppchen am Leib.

Die Nase ist das Symbol seines Gliedes, ich sagte es schon und das Zeigen des Schnurrbartes soll die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass vor uns ein geschlechtsreifer Mann sitzt, der die Schamhaare besitzt; der Mund aber ist das Symbol des Weibes

Oder das Brilletragen: Man will besser sehen, aber man will nicht gesehen werden.

Erst kann ich ein wenig von den Früchten erzählen.

Pflaume: sie birgt den Kern, das Kind in sich, und ihre leicht angedeutete Spaltung verrät den Weibescharakter.

Himbeere: sieht sie nicht der Brustwarze ähnlich?

Erdbeere: sie wächst tief verborgen zwischen dem Grün des Grases, und Sie müssen suchen, ehe Sie dies holde Geheimnis im Versteck des Weibes finden. Aber hüten Sie sich vor ihr. Die Wonne des Kitzlers frisst sich immer tiefer in das Wesen des Menschen ein, wird heiß ersehnt und doch als Schuld geflohen, und dann entsteht die Nesselsucht, die symbolisch das Gefühl widerwärtig und quälend verhundertfacht.

Kirsche: Sie finden sie an den Brüsten, aber auch der Mann trägt sie an seinem Baum, wie den alle Symbole doppelgeschlechtlich sind.

20.

Geruchseindruck

Dort, wo die Einfälle aufhören, ist die Lösung des Rätsels

.. dass das Kind zunächst die Beine des Menschen kennen und lieben lernt;

Es ist die Bestimmung der Mutter, ihr eigenes Kind in den tiefsten Empfindungen zu verletzen, es ist ihr Schicksal.

Man vergisst, was schwer zu ertragen ist, und was man nicht vergißt, war für uns nicht schwer.

..,weil wir als Kinder den weiblichen Geschlechtsteil als Kastrationswunde auffassen;

..das Verbot des Geschlechtsverkehrs während der Periode aufzubauen. Da das blutende Weib den verdrängten Kastrationskomplex aufweckt, vermeiden wir die neue Berührung der wunden Frau.

..daß das Verdrängen die hauptsächliche Beschäftigung des Lebens ist.

Verdrängen ist Umschaffen, ist kulturbauend und kulturvernichtend, erdichtete die Bibel und das Märchen vom Storch.

21.

..Geruchsempfindungen bei der Geburt..

.. es ist nun einmal Schicksal des Menschen, dass er sich schämt, menschlich gezeugt und geboren zu sein.

.. bis er in Glauben an die Jungfrau Maria und die unbefleckte Empfängnis oder irgendwelcher Wissenschaft Trost gefunden hat.

Er nennt verächtlich Zeugung und Empfängnis tierische Akte, um sagen zu können, ich bin kein Tier, ich habe keine tierische Formen, bin also Gottes Kind und göttlich gezeugt; da das nicht gelingt, umgibt er diese Vorgänge mit dem Scheinheiligenschrein des Mysteriums, zu dessen Konstruktion er wie Judas seine Liebe verraten muß.

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