Psychosomatik

Das Buch vom Es

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4. ..die Phantasie des Vergewaltigtwerdens..

Das Unbewußte ist rätselhaft, und zwischen Wald, gewaltig und Gewalt schlummern Engel und Teufel.

..erfährt das kleine Mädchen, daß ihm etwas fehlt, was der Knabe, der Mann besitzt.

..wie ein Kind die Geschlechtsunterschiede kennenlernt?

..dieses Fehlen eines Bestandteils des Menschen und fasst es als einen Fehler seines Wesens auf.

..das Gepräge der Beschämung und des Schuldgefühls tragen.

Und nun kommt der Moment der Empfängnis.., das Verschwinden der Leere, des verzehrenden Neides und der Scham.

..die Hoffnung, daß in ihrem Leib ein neuer Teil ihres Wesens, eben das Kind, wächst, das diesen Fehler nicht haben, das ein Junge sein wird.

..zu dem heiteren, göttlichen Lachen, mit dem man in der Komik die tiefe Wahrheit begrüßt.

..nein, es ist die Wollust, die solches Zustande bringt, eine eigenartige Form der Selbstbefriedigung, von Kindheit auf geübt und bis zur Vollendung später ausgebildet in der Verstopfung; nur daß dann leider der Organismus nicht mehr mit der Wollust antwortet, sondern nur, im Schuldgefühl der Onanie, Kopfschmerzen oder Schwindel oder Leibweh schafft und wie die tausend Folgen der Gewohnheit, sich dauernd einen Druck auf die genitalen Nerven zu erhalten, heißen mögen.

..den Vergleich zwischen Begattung und Kindsbewegung..

..vor allem die Entbindung selbst ein Akt der höchsten Wollust ist, dessen Eindruck als Liebe zum Kind, als Mutterliebe weiterlebt.

..daß der Schmerz Wollust sein kann, höchste Wollust?

Zuletzt aber steigt aus dem Dunkel des Unbewußten die Mutterimago empor; denn alles Begehren und jede Wollust ist durchtränkt von der Sehnsucht, wieder in den Schoß der Mutter zu gelangen.

5. Die Mutter selbst gibt ihrem Kind Unterricht in der Onanie, sie muß es tun, denn die Natur häuft den Dreck, der abgewaschen werden will, dort an, wo die Organe der Wollust liegen;

.. Ihnen zeigen, daß allerdings unsere Menschenwelt, unsere Kultur zum großen Teil auf der Selbstbefriedigung aufgebaut ist.

.. an die tausend Möglichkeiten der versteckten, schuldlosen Onanie zu denken, an das Reiten, Schaukeln, Tanzen, an das Stuhlverhalten; der Liebkosungen, deren tieferer Sinn die Selbstbefriedigung ist, gibt es auch so genug.

Das Es, das Unbewußte, denkt symbolisch, und unter anderen hat es ein Symbol, demzufolge es Kind und Geschlechtsteil identifiziert, gleichbedeutend braucht.

Ein Gutteil der Mutterliebe zum Kind stammt aus der Liebe, die die Mutter für ihren Geschlechtsteil hat, und aus Onanie-Erinnerungen.

6. Symbole

Als Symbol der Ehe gilt der Ring; ..daß der Sinn der Ehe die Geschlechtstreue ist,...

Der Ring vertritt das weibliche Geschlechtsorgan, während der Finger das Organ des Mannes ist.

..daß dieses Symbolisieren nicht dem absichtlichen Denken entspringt, sondern dem unbekannten Wirken des Es.

..ja man darf sagen, daß alles bewußte Denken und Handeln eine unentrinnbare Folge unbewußten Symbolisierens ist, daß der Mensch vom Symbol gelebt wird.

Assoziationen:

,denn jedes Ding hat seinen Gegensatz in sich,

Rotkäppchen

Das rote Köpfchen guckt bei jedem Urinlassen neugierig aus seinem Vorhautmantel heraus, und wenn die Liebe kommt, reckt es den Kopf nach den Blumen der Wiese, steht wie der Pilz, wie das Männchen im Wald mit roter Kapuze auf einem Bein, und der Wolf, in den es hineingerät, um nach neun Monden wieder aus seinem Bauch geschnitten zu werden, ist ein Symbol kindlicher Empfängnis- und Geburtstheorien.

..daß das Märchen aus dem Assoziations- und Symbolisierungszwang entstand, entstehen mußte, weil das Rätsel der Begattung, Empfängnis, Geburt und des Mädchentums die Menschenseele mit Affekten quälte, bis sie dichterisch gestaltete, was unbegreiflich ist.

Übertragung:

..den größten Teil dieser Gefühlsmasse, beinahe alles, verwendet er auf sich selbst; ein im Vergleich geringer, im Leben aber recht erheblicher Teil kann nach außen hin gerichtet werden.

.. das die Gefühlswelt des Kindes in höchstem Maß auf sich zieht, das ist die Mutter. Ja man kann mit einem gewissen Recht behaupten, daß diese Neigung zur Mutter- die immer auch ihr Gegenteil, die Abneigung, bedingt- ähnlich unveränderlich ist wie die zu sich selbst.

Mutterimago

Nach diesem Mutterimago strebt nun das Gefühlsleben des Menschen sein Leben lang, so stark strebt es danach, daß beispielsweise die Sehnsucht nach Schlaf, die Sehnsucht nach dem Tod, nach Ruhe, nach Schutz sich gut als Sehnsucht nach der Mutterimago auffassen lassen,...

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