Psychosomatik

Das Buch vom Es

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7. .. der Schmerz gehört zu diesem höchsten Augenblick der Lust.

Sadist ist jeder Mensch, Masochist ist jeder Mensch; ein jeder muß von Natur aus wünschen, Schmerz zuzufügen und Schmerz zu erleiden: Der Eros zwingt ihn dazu.

Angst, Angst des Erstickens leidet er während der Geburt, und Angst bleibt ihm all seine Lebtage als Begleiterin jeder höchsten Freude,..

8. ..über das Wort „unnatürlich" unterhalten? Für mich ist es der Ausdruck menschlichen Größenwahns, der sich selber als Herrn der Natur empfinden möchte.

..jeder Mensch ist multipel pervers, jeder Mensch hat jede perverse Neigung in sich,..

..meine Ansicht, daß auf dem Hang zur Selbstbefriedigung- denn in deren Dienst stehen Schönheitssinn und Reinlichkeit- die Welt ruht..

Ödipuskomplex

Mutter und Hexe sind für das Es der Märchen dichtenden Menschheitsseele dasselbe.

..sein Gegengewicht in dem Glauben an die jungen, schönen Hexen findet, die rothaarigen, gottlosen Dinger, der aus dem Haß der alternden Mutter gegen die feurig leidenschaftliche, frisch menstruierte, das heißt rothaarige Tochter entsteht.

In jeder Tochter flammt während der Schwangerschaft der Mutter die Eifersucht auf;

..stets wird sie durch die Gewalt des moralischen Gebotes: Du sollst Vater und Mutter ehren, sonst mußt du sterben, niedergedrückt, verdrängt,..,daß das Schuldgefühl entsteht.

Den tiefsten Grund des Schuldbewußtseins..

daß das Kind bei der Geburt, dadurch, daß es geboren wird, der Mutter Blut vergießt. Und wer Blut vergießt, des Blut soll wieder vergossen werden. Die Frau, die guter Hoffnung ist, kann nicht anders, als das Kind im Leib fürchten, denn es ist der Rächer. Und niemand ist gut genug, den Rächer immer zu lieben.

Wenn Frieda ihrer Mutter flucht, so verflucht sie auch das Symbol, ihr Geschlechtsorgan, ihr eigenes gebärendes Wesen, ihr Frau- und Muttersein.

9. ..Annahme, daß das Kind auch ungeboren denkt..

Es denkt nur an sich, alle Affekte gehen auf den eigenen Mikrokosmos. Ist es zu verwundern, daß diese von Beginn an geübte Gewohnheit, diese erzwungene Gewohnheit, dem Menschen sein ganzes Leben hindurch bleibt? Denn wer ehrlich ist, der weiß, daß wir alles immer auf uns selbst beziehen, daß es ein mehr oder minder schön anzuschauender Irrtum ist, anzunehmen, wir lebten für andere oder anderes.

Christus wußte das; denn als das höchste Ideal, als ein unerreichbares Ideal, sprach er das Gebot aus: Liebe deinen Nächsten als dich selbst; wohlgemerkt nicht „mehr als dich selbst", sondern so wie du dich liebst.

Heutigen Tages nennt die Psychologie diesen Trieb bei Menschen zu sich selbst, diesen Trieb, der ausschließlich ist und in dem Alleinsein des Kindes im Mutterleib wurzelt, Narzißmus.

Tatsächlich wird ja auch unser ganzes Leben, ohne daß wir es wissen, von diesem Wunsch, in die Mutter zu gelangen, geleitet.

..daß das Bett ein Symbol des Mutterleibes ist, der Mutter selbst?

In Wahrheit sind wir Werkzeuge des Es, das mit uns macht, was es will..

..wenn sie bedenken, daß das Kind, je mehr es seine Mutter liebte, um so eifriger streben muß, von ihr loszukommen, so werden ihnen Naturen wie Bismarck oder der Alte Fritz, deren emsiger Fleiß in seltsamem Gegensatz zu ihrer großen Faulheit steht, begreiflich werden.

..wie ähnlich das Rauchen dem Saugen an der Mutterbrust ist?

eine kleine Regel..: Wen man schilt, den liebt man.

Sie werden nie in der Annahme fehlgehen, daß der Mensch, was er haßt, einmal sehr geliebt hat und noch liebt..

Die Tiefen der Seele, in denen die verdrängten Komplexe ruhen, verraten sich in den Widerständen. Zwei Dinge muß beachten, wer sich mit dem Es befasst, die Übertragungen und die Widerstände.

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